Legendenschilder erläutern Straßennamen „Am Schlagbaum“
MARL. Nicht unweit des südwestlichsten Zipfels von Marl, nah der Grenze zu Gelsenkirchen, trafen sich Stiftungsvorstand und Anwohner, um neue Legendenschilder zur Erklärung lokaler Straßennamen zu präsentieren. Dabei spielte die Grenzlage der Straße „Am Schlagbaum“ eine wichtige Rolle bei der Suche nach einer Antwort die Frage, woher der Name eigentlich stammt.
Der Name geht zurück auf einen echten Schlagbaum, sagt Historiker Matthias Pothmann. „Um die Namensherkunft entschlüsseln zu können müssen wir weit ins 18. und 19. Jahrhundert zurückreisen. Damals war Polsum noch eine eigenständige Gemeinde und nur sehr lose mit dem Dorf Marl verwaltungsrechtlich verbunden. Vor allem war Polsum an der Grenze zu Gelsenkirchen oder genauer gesagt zum damaligen Amt Buer gelegen.“
So errichtete man im Jahr 1874 in der Nähe des Hauses 30 (Häuser wurden nummeriert als es noch keine festen Straßennamen gab), in dem sich die alte Gaststätte „Gertrudenhof“ befand, einen Schlagbaum. Dieser diente zur Blockade von Wegeverbindungen, um den Verkehr kontrollieren und lenken zu können. Pothmann weiter: „Vor allem dienten solche Stellen als Vorläufer heutiger Mautstationen zur Erhebung von Hebegeld. Diejenigen, die im Transit von Scholven nach Marl fahren wollten, kamen auf dem kürzsten und einigermaßen befestigten Weg durch Polsum. Hier wurden sie zum Halt und zum Bezahlen der Gebühr gezwungen.“ Diese Art der Geldeintreibung war damals üblich. So gab es in Marl auch entsprechende Wegegeldstellen, die meist an Gasthäusern lagen. Auf diese Weise konnten auch die Wirte an den Fremden mit Bier und Speisen Geld verdienen.
Grundlage für das Hebegeld war eine preußische Order von 1838, die mehrfach ergänzt wurde. Nach dieser konnten auf den Bezirksstraßen feste Gebührensätze für Wagen, Schlitten und Vieh erhoben werden, wobei sich die Tarife nach der Breite der Räderfelgen berechneten. So waren Gebühren für breitere Felgen wegen Schonung des Straßenbelags geringer als die der schmalen Felgen einer Kutsche. Pothmann: „Mit den Gebühren unterhielt Preußen u. a. auch diese befestigten Straßen, die im Gegensatz zu den vielen damaligen Sandwegen, auf denen man bei Regen schnell im Schlamm stecken blieb, ein einigermaßen komfortables Fortwärtskommen ermöglichten.“